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Inhaltsstoffe von Parfüm lesen: was auf der Liste steht

Auf jeder Parfümpackung steht eine Liste, die kaum jemand liest — und die bei Parfüm oft aus einem einzigen Wort besteht. Wer wissen will, was in einem Flakon ist, braucht keine Chemiekenntnisse, sondern drei Leseregeln.

Warum hier keine Zutatenliste steht

Diese Seite druckt die Inhaltsstoffe der vier Düfte nicht ab, und das ist eine bewusste Entscheidung. Wyld Notes veröffentlicht sie unter der Überschrift „Ingredient Transparency“ auf jeder Produktseite und zusätzlich auf der Verpackung. Maßgeblich ist genau diese Liste — nicht eine abgeschriebene auf einer Partnerseite.

Der Grund ist schlicht: Eine kopierte Liste veraltet. Rezepturen ändern sich, und die europäische Fassung eines Duftes muss nicht identisch sein mit der amerikanischen. Eine Liste, die hier steht und dort nicht mehr gilt, wäre schlechter als gar keine.

Was wir stattdessen anbieten, ist das Lesegerät. Die nächsten Abschnitte erklären, wie eine Kosmetikliste aufgebaut ist und woran man das Wesentliche erkennt. Danach dauert der Blick auf die Produktseite des Herstellers zwei Minuten.

Die Reihenfolge verrät die Mengen

Kosmetik wird in der EU einheitlich gekennzeichnet. Die Stoffe stehen unter ihren internationalen Bezeichnungen, den INCI-Namen, und die sind auf jeder Packung in jedem Land gleich — lateinische Pflanzennamen für pflanzliche Auszüge, englische oder chemische Namen für alles andere.

Erste Leseregel: Die Liste ist nach Menge sortiert, absteigend. Was vorn steht, ist am meisten enthalten. Zweite Leseregel: Diese Sortierung endet bei einem Anteil von einem Prozent. Alles darunter darf in beliebiger Reihenfolge stehen — und bei Parfüm ist das der größere Teil der Liste.

Dritte Leseregel: Ein langer Eintrag ist kein schlechtes Zeichen und ein kurzer kein gutes. Ein einziges ätherisches Öl besteht aus Dutzenden von Einzelstoffen. Wie viele Namen eine Liste hat, hängt vor allem davon ab, wie genau der Hersteller aufschlüsselt.

Warum bei Parfüm meist nur „Parfum“ steht

Für Duftkompositionen gilt eine Ausnahme: Sie dürfen unter dem Sammelbegriff „Parfum“ oder „Aroma“ zusammengefasst werden. Hinter diesem einen Wort können hundert Einzelstoffe stehen. Das ist der Grund, warum die Zutatenliste einer Handcreme oft länger ist als die eines teuren Parfüms.

Rechtlich ist das in Ordnung, denn die Zusammensetzung gilt als Betriebsgeheimnis. Für den Käufer bedeutet es, dass er ausgerechnet bei dem Produkt am wenigsten erfährt, das fast nur aus Duftstoffen besteht.

Wyld Notes macht von dieser Ausnahme nach eigener Angabe keinen Gebrauch und führt die Bestandteile einzeln auf. Der Hersteller schreibt dazu, jede Flasche und jede Produktseite trage eine ausführliche Liste jedes Inhaltsstoffs. Ob eine Liste aufgeschlüsselt ist oder nur „Parfum“ nennt, ist im Vergleich zweier Marken der schnellste Prüfpunkt überhaupt.

Die Duftstoffe, die einzeln genannt werden müssen

Von der Sammelangabe ausgenommen ist eine gesetzlich festgelegte Reihe von Duftstoffen, die als Allergene gelten. Sie müssen mit Namen in der Liste stehen, sobald sie eine bestimmte Menge überschreiten. Die Reihe ist 2023 deutlich erweitert worden, die neuen Angaben erscheinen nach und nach auf den Packungen.

Typische Namen aus dieser Gruppe sind Limonene, Linalool, Geraniol, Citral und Coumarin. Sie stehen regelmäßig auch auf Naturparfüms, und zwar nicht als Zusatz: Sie sind natürliche Bestandteile der ätherischen Öle selbst. Limonene steckt in jeder Zitrusschale, Linalool im Lavendel, Coumarin in der Tonkabohne.

Diese Angaben sind eine Kennzeichnungspflicht, keine Warnung. Ihr Nutzen liegt bei denen, die eine bekannte Duftstoffallergie haben und einen bestimmten Namen meiden möchten — sie finden ihn in der Liste des Herstellers. Wer keinen Namen sucht, kann diesen Teil der Liste überspringen.

Der erste Eintrag ist fast immer Alkohol

Ein Parfüm besteht zum größten Teil aus Alkohol, und deshalb steht er ganz oben. In den meisten Listen heißt er „Alcohol denat.“ — vergällter Alkohol. Man hat ihm einen Stoff zugesetzt, der ihn ungenießbar macht. Der Grund dafür ist steuerlich, nicht kosmetisch: Nur vergällter Alkohol ist von der Alkoholsteuer befreit.

Welcher Stoff das ist, verrät das Etikett nicht, denn für alle Vergällungsmittel gibt es genau diese eine Bezeichnung. An dieser Stelle endet die Auskunft der Liste.

Bei Wyld Notes steht dort nach Angabe des Herstellers „Organic Ethanol (Non-Denatured)“: biologischer Zuckerrohralkohol, nicht vergällt, voll versteuert. Das ist der Punkt, an dem sich die Liste dieser Marke von den meisten anderen sichtbar unterscheidet — und er ist am ersten Eintrag ablesbar, ohne dass man den Rest gelesen haben muss.

Was der Name eines Stoffes nicht verrät

Eine Grenze hat jede Liste, und man sollte sie kennen, bevor man aus ihr Schlüsse zieht: Die INCI-Bezeichnung sagt nichts über die Herkunft eines Stoffes. Derselbe Name steht dort, ob ein Stoff aus einer Pflanze gewonnen oder im Labor hergestellt wurde. Aus der Liste allein lässt sich das nicht entscheiden.

Dazu kommt, dass „natürlich“ bei Kosmetik kein geschützter Begriff ist. Es gibt eine internationale Norm, ISO 16128, die beschreibt, wie sich der natürliche Anteil eines Produkts berechnen lässt — anwenden muss sie niemand. Daneben gibt es private Prüfsiegel wie COSMOS oder NATRUE, die nach eigenen Regeln zertifizieren; ob ein Produkt eines trägt, steht auf der Packung.

Für die Praxis heißt das: Die Liste zeigt verlässlich, was drin ist, und sie zeigt es bei einer aufgeschlüsselten Liste vollständig. Ob ein einzelner Stoff aus dem Feld oder aus dem Kolben kommt, beantwortet nur der Hersteller. Wen das interessiert, der fragt dort — eine Marke, die ihre Zutaten ohnehin offenlegt, ist der richtige Adressat für diese Frage.

Und wer die Liste der vier Düfte sehen will, findet sie beim Hersteller auf jeder Produktseite. Welcher der vier überhaupt in Frage kommt, klärt vorher der Vergleich.

Stand: 19. September 2026

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